Mucks­mäus­chen­still war es Ende Juni 2026 in der FG-Schüler­­bi­­b­lio­­thek. Was Holger Timmreck (Jahrgang 1959) den Neunt­kläss­lern an diesem Vormit­tag erzählt, ist kein Stoff aus dem Geschichts­buch – es ist sein Leben. Auf Einla­dung der Geschichts­lehr­kräf­te berich­te­te der gebür­ti­ge Sachse von verwehr­ten Träumen, dem Mut zur Flucht und dem Preis, den Freiheit kosten kann.

Timmreck nahm bei seinem Schul­be­such die Baare­mer Jugend­li­chen gedank­lich mit in seine Kindheit und Jugend im sächsi­schen Pirna. Trotz Spitzen-Abiturs verwehr­te ihm das SED-Regime 1977 das ersehn­te Sport­stu­di­um: Das Eltern­haus galt als politisch unzuver­läs­sig, sein Vater saß bereits wegen „staats­feind­li­cher Hetze“ in Stasi-Haft. Der talen­tier­te Leicht­ath­let erleb­te am eigenen Leib, wie die Dikta­tur Lebens­träu­me zerstört – nicht mit lautem Knall, sondern mit dem stillen Feder­strich einer Behörde.

Im August 1980 wagte der damals 21-Jähri­­ge den Schritt, der alles verän­dern sollte: die Flucht über die Tsche­cho­slo­wa­kei nach Öster­reich. Der Versuch schei­ter­te drama­tisch kurz vor dem Ziel. Die Strafe war hart: zwei Jahre und vier Monate Haft, unter anderem im berüch­tig­ten Zucht­haus Brandenburg-Görden.

In der Frage­run­de, die sich an den Vortrag anschloss, wollten Schüle­rin­nen und Schüler wissen, ob er in der Zelle je an einen erneu­ten Flucht­ver­such gedacht habe. Timmrecks Antwort gab einen selte­nen Einblick in die Gefühls­welt eines politi­schen Häftlings: Das Risiko sei kaum zu ermes­sen gewesen – doch der Wunsch nach Freiheit habe ihn nie losgelassen.

Ein zweiter Versuch blieb ihm erspart: Im Febru­ar 1982 kaufte die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land den politi­schen Häftling frei. Im Westen holte Timmreck nach, was ihm die Dikta­tur verwei­gert hatte: Er studier­te Sport­wis­sen­schaf­ten in Köln und arbei­te­te später als Sport­pu­bli­zist, unter anderem für RTL. Seine Botschaft an die Donau­eschin­ger Gymna­si­as­ten war so klar wie eindring­lich: Demokra­tie und Freiheit sind keine Selbst­ver­ständ­lich­keit – sie müssen von jeder Genera­ti­on neu erkämpft und geschützt werden.