CD-Hüllen, Aluschalen und Massagegeräte als Musikinstrumente? Was zunächst ungewöhnlich klingt, gehört in der Neuen Musik durchaus zum Experimentieren mit Klängen. Bei den Donaueschinger Musiktagen Mitte Oktober erhielten Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums gemeinsam mit ihren Lehrkräften die Gelegenheit, sich mit dieser besonderen Welt auseinanderzusetzen und professionelle Musiker und Komponisten hautnah bei ihrer Arbeit kennenzulernen.
Die Klasse 6d beschäftigte sich gemeinsam mit dem Komponisten Prof. Gerhard Müller-Hornbach, dem Geiger Johannes Blumenrödter und dem Dirigenten Nicolai Bernstein mit der Frage, wie Klang entsteht und welche Wirkung er entfalten kann. Im Mittelpunkt stand die Suche nach der passenden musikalischen Untermalung für Szenen aus dem Kurzfilm „Amour Fou“ und dem Lotte-Reiniger-Film „Schneeweißchen und Rosenrot“. Schnell zeigte sich, dass vorgefertigte Popmusik hier nicht weiterhalf. Gefragt waren bei den Donaueschinger Gymnasiasten Neugier, Kreativität und das genaue Hinhören. Bei einer abschließenden Präsentation wurden schließlich zwei eigens entwickelte Live-Vertonungen uraufgeführt.
Auch die Musik-Basiskurse der beiden Kursstufen tauchten in die Klangwelt der Gegenwart ein. In der Schulbibliothek moderierte Carolina Nees, Musikvermittlerin des SWR, ein Gespräch mit dem Komponisten Prof. Dr. Stefan Prins, dem Schlagzeuger Markus Maier und dem Pianisten Christoph Grund. Die Musiker berichteten, wie ein neues Werk entsteht und welche Überlegungen hinter der Suche nach ungewöhnlichen Klängen stehen. Dabei wurde deutlich, dass nahezu jeder Gegenstand zum Klangerzeuger werden kann – vorausgesetzt, man weiß, wie sich der gewünschte Klang hervorbringen lässt. Denn auch in der Neuen Musik sind Präzision, Übung und eine genaue Klangvorstellung entscheidend.
Am folgenden Tag besuchten die Jugendlichen die Generalprobe zum Eröffnungskonzert der Donaueschinger Musiktage. Dabei konnten sie unmittelbar erleben, wie aus Experimenten, musikalischen Ideen und sorgfältiger Arbeit ein Konzertprogramm entsteht. Für die Gymnasiasten wurde so erfahrbar, dass der „Klang der Gegenwart“ kein fertiges Ergebnis ist, sondern ein fortwährender Prozess des Suchens und Findens.
Die Donaueschinger Musiktage wurden 1921 gegründet und gelten als ältestes Festival für Neue Musik weltweit. Ihr Ziel ist es, zeitgenössische Musik und experimentelle Klangkunst zu fördern und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen Uraufführungen neuer Werke, bei denen Komponisten musikalische Ausdrucksformen und Klangmöglichkeiten ausloten.



